Es ist schon ungewohnt - da hat man sich über zwei, drei Jahrzehnte an die Luftseilbahn von Zinal nach Sorebois gewöhnt, und nun steht da seit 2020 auf einmal eine 10er-Gondelbahn mit kompakter Talstation. Auch ungewohnt: bleibt man in der Mittelstation Sorebois sitzen und fährt gleich hoch zum "Espace Weisshorn", kann man auch von Zinal her kommend dort oben in den Skitag starten. Alle Talabfahrten waren geschlossen, somit war klar, dass wir einfach einen gemütlichen Tag im Höhenskigebiet von Zinal verbringen und auf die Verbindung nach Grimentz verzichten würden. Immerhin, zwei Tage später konnten sie die Chamois kurz öffnen.
Als erstes fuhren wir wie üblich am Combe Durand mit seinen 3 tollen Pisten. Da zeigte sich schon: St. Luc und Chandolin haben viele, sehr viele Vorzüge, aber längere Steilhänge wie am Combe Durand hatten wir diese Woche noch nicht. Und die Barthélémy war einmal mehr - auch in diesem sonst so schwierigen Winter - grenzgenial, natürlich auch dank der schwachen Frequentierung an diesem Wochentag.
Es war im Skigebiet trotz der Höhenlage weniger kalt und vor allem weniger windig als befürchtet, in St. Luc wars auf dieser Höhe tags zuvor deutlich unangenehmer. Offenbar wurde aber einige Pisten vom Winde glattgefegt, so waren die Ausfahrt vom Combe Durand runter zum Chiesso und die rote Piste am Corne eine einzige Eisbahn und fast unfahrbar. Da am Corne zunächst noch Renntrainings auf den beiden schwarzen Pisten stattfanden, war der Lift am frühen Morgen keinen Besuch wert.
Im zentralen Bereich hat die neue Gondelbahn das Skigebiet auf den Kopf gestellt. Am "Espace Weisshorn", "Vouarda", oder wie auch immer die Ankunftszone der beiden Bahnen heisst, ist nun sehr viel los. Das Restaurant befindet sich zwar noch in Bau, aber bereits jetzt ist das der zweite Knotenpunkt im Skigebiet nebst Sorebois. Die blaue Piste nach Sorebois wird oft befahren, viele schwächere Fahrer bleiben da und machen Wiederholungsfahrten an der zweiten Sektion der Gondel. Im ganzen Skigebiet wurde auch eine neue Pistenbeschilderung aufgestellt; fast etwas unnötig, weil man sich in Zinal kaum verfahren kann.
Der Skilift Combe wurde wegen der neuen Gondel bekanntlich rückgebaut, was auch in Ordnung geht, er wurde schon vor der Gondel immer weniger benützt. Weiter musste der Skilift Remointze ein wenig verkürzt werden. Schliesslich ist es auch am Tsarmettaz ein anderes Gefühl: neu wird der Skilift von der Gondel gekreuzt, man fühlt sich sowohl im Lift als auch auf den Pisten immer ein wenig "unter der Gondel". Eigentlich wäre jetzt das Trassee des ehemaligen Stangenschleppers "Les Gouilles" geeigneter, weil der obere Steilhang am Tsarmettaz jetzt auch durch die Gondel direkt erschlossen wird.
Nachdem die Renntrainings am Corne fertig waren, konnte man auch da oben auf den schwarzen Pisten fahren, und zwar richtig! Abseits des zuvor gesteckten Kurses waren die Pisten noch frisch präpariert und toll zu fahren dank griffigem Schnee. Am Nachmittag gabs nochmals eine Runde durchs Gebiet, auch nochmals zwei Fahren am Combe Durand. Relativ früh machten wir Feierabend, mit der Gondel gings wieder runter nach Zinal.
Im Vergleich zu St. Luc ist es natürlich augenfällig, wie sich hier alle Pisten quasi am gleichen Hang befinden, alles liegt eng aufeinander, gerade wenn die Talabfahrten geschlossen sind. So sehr der Zweck der neuen Gondelbahn verständlich ist - mit ihr ist der Kernbereich nochmals mehr zugebaut, das Skigebiet wird mittlerweile stark industrialisiert. Man darf gespannt sein, wie die Bergbahnen in naher Zukunft versuchen werden, die Leute im Skigebiet etwas zu verteilen.
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