Eigentlich sah mein Plan vor, auch noch die Talabfahrt 1 auszuprobieren, bevor sich die Massen darauf stürzen, aber weit gefehlt. Wegen Nassschneelawinen mittlerweile gesperrt, gemeinsam mit der 7 im Velilltal, die ich vor einer Stunde noch gefahren bin. Da ich das erst nach der Idalp bemerkt hatte, kam ich zwangsläufig per 2b auf die 6KSB Nachtweide, wo ich gleich eine Wiederholungsfahrt mit der Piste 2a einlegte. Der ultimative Anfängerhang oberhalb der Idalp war dabei ein Trauerspiel sondergleichen mit sehr vielen sehr schlechten Skifahrern. Dort wurde die einzige Kuppe, wo es kurz überhaupt genug steil für Kurven ist, gleich zum ausgebeulten Tragödienhang.
Richtig übel wurde es danach auf der 6KSB Velill, wo ich eine Gruppe (osteuropäische) Mitfahrer erwischte, die richtig übel roch. Hatten die Knoblauchzehen en masse gegessen? Nein, waren (immer noch?) sturzbetrunken, hatten sich weder gewaschen noch geduscht, und tranken auf dem Sessel weiter stinkenden Schnaps aus dem Flachmann. Mir wurde es speiübel daneben. Das ist eben die primitive Ischgler Klientel: über 50 Jahre alt, aber es geht nur darum, im Urlaub möglichst blöd zu tun und möglichst viel zu saufen. Zum Fremdschämen.
Am Himmel zog es immer mehr zu, es wurde trüb und diffus. Naja, wenigstens besser so für die von der Wärme durchnässten Pisten. Um 14 Uhr wars Zeit, um zurück auf die Schweizer Seite zu wechseln. Vorher aber noch eine Fahrt auf der blauen 11, wo seitlich eine Raupenbreite frisch präpariert und entsprechend gut zu fahren war. Dann aber zurück auf Schweizer Boden und über die rote 66 zur Alp Bella. Diesen Sektor nahm ich mir für den Nachmittag noch vor. Eigentlich wollte ich gleich auf die 4KSB Grivalea, kam aber bei der Talstation zuweit runter. Dann halt zuerst noch einmal mit der 6KSB Muller rauf und auf der 68 wieder runter.
Etwas mehr hatte ich von der Geländekammer hier aussen im Skigebiet schon erwartet, aber wie so oft: wenns sulzig und warm wird und die Sonne hoch steht, sieht alles etwas ähnlich aus, und die Pisten sind halt alle recht kurz. Da ich erst um 11 Uhr auf die Piste kam, wollte ich schon noch bis Betriebsschluss fahren, also noch einen kurzen Abstecher in die dritte Geländekammer der Samnaun-Seite bei Salaas.
Das war es dann, blieb noch die Talabfahrt nach Samnaun Compatsch übrig. Warum ich bewusst diese Talabfahrt wählte, obwohl meine Unterkunft im grösseren Samnaun Dorf lag? Wie ich am Vorabend herausfand, hat sich Samnaun und insbesondere Samnaun Dorf komplett dem Duty-Free-Exzess ergeben. Nur noch Duty-Free-Shops, Boutiquen und Hotels. Normale Lebensmittel-Läden? Fehlanzeige. Einzig in Samnaun Compatsch gibts mit dem Prima in der Sennerei noch eine vernünftige Einkaufsmöglichkeit. So konnte ich den Einkauf gleich nach der Talabfahrt erledigen. Auf jener wird man dann mehrmals per Pisten-Werbung auf das "Duty-Free-Erlebnis" hingewiesen, zudem der selten dämliche Name Duty-Free-Run.
Von Compatsch nach Samnaun Dorf kam ich mit dem Ortsbus relativ zügig. Schon schade, wie sich Samnaun als Zollausschlussgebiet komplett über den Duty-Free-Konsum definiert. Ursprünglich mal ein romanisches Bergdorf, wird heute tirolerisch gesprochen.Die vielen Tankstellen und die zahlreichen, sich ähnelnden Shops stehen wie deplatziert in der Bergwelt, genausowenig passt die Geiz-ist-Geil-Mentalität hierhin. Hauptsache Konsum. Dadurch kommt auch kein Talabschluss-Feeling auf wie beispielsweise in verschiedenen Walliser Südtälern. Man spürt richtiggehend: da hat ein Bergdorf seine Seele verkauft.
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