Seit dem Lawinenunfall wird die Verbindungspiste "Hintere Felli" vom Schneehühnerstock runter auf den Oberalppass nur mit grösster Vorsicht geöffnet. Wegen der Sonneneinstrahlung hiess das meistens Pistensperre ab 13 Uhr. Für uns, die abends noch zurück nach Sedrun wollten, bedeutete dies: entweder am Morgen im neuen Skigebietssektor fahren und gegen Mittag zurückwechseln, oder abends mit dem Zug zurück nach Sedrun fahren. Alternativ kann man natürlich auch mit der Gondel runter.
Zuerst fuhren wir hier an der Sesselbahn "Schneehühnerstock Flyer". 430 Höhenmeter auf 1050 Metern Strecke, also eine steile Kiste. Zudem (wie bei allen drei neuen Sesselliften hier) für Snowboarder unbequeme Mini-Fuss-Stützen. Leider war hier nur eine von drei Pisten geöffnet, von den anderen beiden (laut Online-Status geöffnet!) war keine Spur zu sehen. Besser gefiel es uns an der knackigen Abfahrt zur Mittelstation der Gondelbahn. Kaum verfahren, dafür sehr kurz. Wir fuhren nur die (von oben gesehen) rechte Variante. Bei der linken Variante muss man an der Mittelstation talwärts einsteigen, sie dient also der Verbindung in Richtung Oberalp und Sedrun bei geschlossener Verbindungspiste. Ärgerlich war manchmal der Einstieg in der Mittelstation: zwar wären es 10er Gondeln, aber in Zeiten von Manspreading sind die schon bei vier Leuten "voll". Vielleicht könnte man bei den Sitzbänken die einzelnen Sitze farblich etwas markieren?
Am Sonntag, bei unserem ersten Besuch hier, war die Verbindungspiste "Hintere Felli" völlig ausgefahren und machte wenig Spass. Im Wochenverlauf wurde das etwas besser. Sie ist halt vor allem dadurch interessant, dass sie völlig anders trassiert ist als die anderen Pisten im Skigebiet: mehr Übergänge und Kurven, landschaftlich nett, mal breiter mal enger, weniger Pistenautobahn oder Ziehweg.
Unten wurde der "Lawinenhang" natürlich von allen beobachtet und studiert. Die jetzige Umfahrung mit dem steilen Schräghang war recht ungünstig, da aufgrund der Steilheit viele Leute schräg runterrutschen, was die Piste zusätzlich verhärtet, worauf erst recht fast alle rutschen. Ein Teufelskreis. Unten muss man halt ein wenig (zur Gondelbahn) oder sehr viel (zum Oberalp-Sessel) schieben, dafür gefiel mir die sehr dezente Talstation. Insgesamt lässt sich eindeutig feststellen, dass die Schneehühnerstock-Gondel das neue Flagschiff des Skigebiets geworden ist. Als Verbindungsbahn, als Beschäftigungsbahn, und auch ein wenig als Gipfelbahn.
Die Verbindung westwärts in Richtung Andermatt ist die mühsamere Richtung. Der Ziehweg am Luterseeli vorbei ist zwar nett angelegt, aber die Geschichte zieht sich. Nächste Seilbahn ist dann der "Strahlgand Flyer". Eine ziemliche kurze Angelgenheit, aber wegen der Lawinensituation konnte man die Sesselbahn nicht so weit hinaufziehen wie gewünscht. Die einzige Piste gefiel mir oberen Teil, nach der Einmündung der blauen Piste Grossboden vom Gütsch her wird es aber ziemlich eng. Der schwarz markierte Zielhang ganz unten war dann wiederum völlig vereist und machte mir deshalb keinen Spass.
Schliesslich erreicht man am Gütsch-Sessel den westlichen Bereich des Skigebiets. Mit weniger als 600 Metern ultrakurz, aber hier gab es drei, vier Pistenvarianten, die weniger schnell abgefahren waren. Während sich auf den Pisten die Leute halbwegs verteilten, gab es am Lift immer so zwei, drei Minuten Wartezeit. Mit KSB, Funpark, breiteren Pisten und viel mehr Leuten war der Hang im Vergleich zu früher (als hier nur ein ruhiger Skilift stand) kaum wiederzuerkennen.
Bleibt noch die Gütsch-Gondelbahn, die in zwei Sektionen die beiden früheren Sesselbahnen sowie den Skilift Dürstelen ersetzt hat. Die Bergstation ist etwas weiter oben als früher, was zuoberst schöne Genuss-Pisten ermöglicht. Die blaue Piste Dürstelen war schön, aber nur bis zur Einmündung in die Ziehwege. Schade, dass die schöne Hälfte nicht mehr vom Dürstelen-Lift erschlossen wird. Nun muss alles auf dem engen und abgefahrenen Ziehweg runter zur Mittelstation. Besonders an der Engstelle am Restaurant Nätschen, wo sich Schlittler, Winterwanderer und Skifahrer kreuzen, litt täglich. An den schwarzen Pisten der oberen Gondel-Sektion schmolzl der Schnee an der Sonne dahin, bis die Pisten ausaperten und folglich geschlossen wurden.
An der Mittelstation war mit dem grossen Anfängerbereich (gleich vier Förderbänder) und zahlreichen Wanderer immer viel los, aber gleichzeitig gefiel mir die Stimmung mit viel Sonne, Bergbahnhof und der Mischung aller möglicher Wintersportler. Die Talabfahrt auf der Passstrasse runter nach Andermatt zog sich in die Länge, wir machten sie aber nur einmal nachmittags - um weiter Richtung Gemsstock zu kommen.
Positiv zu bemerken ist, dass trotz der Skigebietsverbindung die Eisenbahn ihre Bedeutung nicht verloren hat. Will man einen entspannten Tag geniessen und die Verbindung nicht in beiden Richtungen per Ski machen, oder werden Lifte aufgrund Wind geschlossen, so bietet sie eine alternative Verbindung zwischen Andermatt, dem Oberalp und Sedrun. So blieb das typische Flair mit den Gebirgsbahnhöfen Nätschen und Oberalppass erhalten, und die Züge werden immer noch rege benutzt.
Eine weitere positive Randnotiz betrifft das Konzept der Selbstbedienungs-Restaurants: gratis Hahnenwasser, sehr viele regionale Produkte, stark reduzierte Preise für halbe Portionen (z.B. nur ein statt zwei Schnitzel), auch mal überraschende Tellergerichte wie Pommes mit Frühlingsrollen. So soll das sein! Obwohl die neuen Bahnen natürlich nicht ganz hinauf führen, wird mit dem Schneehühnerstock so etwas wie ein Gipfel erschlossen. Jedenfalls tun die zusätzlichen Höhenmeter dem Skigebiet gut und machen es auch ein wenig alpiner.
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